Nürnberger Delegation auf rotem Teppich

Im dritten Anlauf hat es nun endlich geklappt. Nürnberg erhält in der Kategorie Großstadt den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2016. Damit wird das vielfältige Engagement Nürnbergs in Sachen Nachhaltigkeit gewürdigt.

In der Urteilsbegründung werden dabei Punkte wie das Forum „Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung“, die BioMetropole Nürnberg, die Fair Trade Stadt Nürnberg oder die Recycling-Hauptstadt Nürnberg genannt. Aber auch der Rat für Integration und Zuwanderung oder der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis werden hervorgehoben. Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly schaffte den Spagat, wenige Stunden vor der Verleihung noch schnell den Christkindlesmarkt in Nürnberg zu eröffnen und dann "just in time" im fernen Düsseldorf zur Verleihung zu erscheinen.

Preisannahme MalyPräsidentin des Bundesrates Malu Dreyer, Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, Initiator des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Stefan Schulze-Hausmann (Quelle: Darius Misztal)

Weitere Preisträger des Abends sind die Städte Solingen, Delitzsch und die Gemeinde Alheim und grüne Pioniere wie Weleda, Bionade und Alnatura. Auch Newcomer wie Fond of Bags, die Taschen zu 100 % aus upgecycelten PET-Flaschen herstellen, gehören zu den Siegern sowie die Marke Frosch, die bei gleich drei Nominierungen im Bereich "non-food" unter anderem durch ihr Cradle-to-Cradle-Engagement nur gewinnen konnte.

Der inklusive Charakter der Veranstaltung, der versucht auch Deutschlands gesamte Industrie auf dem Weg in eine bessere Zukunft zu inspirieren, wird deutlich, wenn wir auf weitere Preisträger schauen, die man nicht in der grünen Szene verorten würde: Evonik Industries, die mit thermoelektrischen Energiewandlern die Wärmewende revolutionieren wollen, den Kaffeeröster Tchibo, der mit einem Trainingsprogramm Kaffeefarmer auf die Transformation zu einem ökologischen, sozialen Rohkaffeeanbau unterstützt, Fuchs Petrolub, die sich für den Mut bedanken einen Schmierstoffhersteller auszuzeichnen oder die Fliegl Fahrzeugbau GmbH, die sich den Sonderpreis „Ressourceneffizienz“ mit der Procter & Gamble Gruppe Deutschland teilt. Alle Preisträger und Nominierten können der Pressemitteilung entnommen und die Urteilsbegründungen im Detail nachgelesen werden.

Preisannahme BhutanBundesumweltministerin Barbara Hendricks, Premierminister von Bhutan S.E. Lyonchhen Tshering Tobgay (Quelle: Darius Misztal)

Beonders spannend war die Schilderung vom Premierminister des Landes Bhutan, seiner Exzellenz Lyonchhen Tshering Tobgay, der neben S.E. Ban Ki-moon, den fantastischen Vier und Nicolas Cage einen der drei Ehrenpreise entgegennahm. Bhutan - mit einer vergleichbaren Einwohnerzahl zu Nürnberg - hat es innerhalb einer Generation geschafft, die Lebenserwartung durch kostenlose medizinische Grundversorgung zu verdoppeln, den Schutz von 60 Prozent seines Waldes dauerhaft zu gewährleisten und demokratische Strukturen zu etablieren. Mittlerweile kann Bhutan einen positiven CO²-Fußabdruck aufweisen, indem es Strom in die Nachbarländer exportiert. Dies alles hat übrigens ein damals 16-jähriger König auf den Weg gebracht, der für die Menschen das Bruttosozialglück geeigneter als das Bruttosozialprodukt empfand. Dass Bhutan auch mit Herausforderungen wie der Landflucht in die Städte zu kämpfen hat, ließ der Premier bei seiner ausführlichen, emotionalen Rede im Rahmen des vorhergehenden Kongresses nicht unerwähnt. Mit seiner - hier sinngemäß wiedergegeben - Ermunterung "Wenn Bhutan all dies mit seinen bescheidenen Ressourcen geschafft hat, um wie viel mehr kann dann ein reiches und entwickeltes Land wie Deutschland bewirken" ließ er das Publikum nachdenklich zurück.

Vortrag Premier BhutanGeneralsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung Prof. Dr. Günther Bachmann, Premierminister von Bhutan S.E. Lyonchhen Tshering Tobgay (Quelle: Bluepingu e.V.)

DNP2016 Preisträger GruppenbildDie Preisträger des deutschen Nachhaltigkeitspreises 2016 (Quelle: Darius Misztal)

Einige Preisträger kann man bestimmt kritisch hinterfragen, aber seinem Anspruch Deutschlands Gesellschaft zum Umdenken zu inspirieren, wird der Deutsche Nachhaltigkeitspreis - nicht zuletzt durch seine eigene konsequente Vorbildfunktion - sicherlich gerecht. Wenn selbst der rote Teppich aus Biokunststoff besteht und mehrfach eingesetzt wird, sollte jedem klar sein, dass es keinen Bereich gibt, der nicht nachhaltig transformiert werden kann, um die Freude am Leben jetzt und in Zukunft zu erhalten.

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