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Verwendung von Tropenhölzern in der Stadt Nürnberg

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Viel wird im Augenblick in der Presse über die Entscheidung der Stadt Nürnberg geschrieben, die Parkbänke aus Tropenholz herstellen zu lassen. Die Diskussion zeigt einmal wieder auf, wie schwierig es doch ist, das richtige zu tun, und noch viel schwerer zu wissen, was denn das Richtige eigentlich ist. Zusammenhänge sind komplex und dann kommt noch das Thema Vertrauen dazu. Vertraue ich darauf, dass die Kriterien des Forest Stewartship Council (FSC) im Kongo und Kamerun bei der Abholzung eingehalten werden? Ich denke, vom Grundsatz gibt es im Augenblick keine Alternative zu FSC, wenn es denn Tropenholz sein muss.

Mehr zum FSC findet ihr hier:

FSC Deutschland

Ich kann nicht beurteilen, wie die Situation in diesen Ländern ist, generell scheint mir aber schon die Frage angebracht, ob es nicht auch deutsche Hölzer tun würden, denn unabhängig von der Thematik der Abholzung des Regenwaldes kostet es jede Menge Energie, das Holz hierher zu schaffen. Und in diesem Punkt ist die lokale Holzwirtschaft definitv im Plus, unabhängig von allen anderen Diskussionspunkten.

Wir hatten hierzu auch das Umweltamt um Stellungnahme gebeten und auch prompt eine Antwort in Form einer Zusammenfassung der Situation rund um das Thema Verwendung von Tropenholz in der Stadt Nürnberg erhalten. Wir wollen euch dieses Dokument nicht vorenthalten:
 


Umweltreferat der Stadt Nürnberg zu Tropenholz:

Wie in manchen anderen deutschen Städten auch hat auch in Nürnberg der Stadtrat Anfang der 90er Jahre den Einsatz von tropischen Harthölzern bei Bau und Ausstattung kommunaler Einrichtungen grundsätzlich ausgeschlossen („Tropenholz-Verbot“). Für besondere Situationen sind Ausnahmen zugelassen (z. B. wenn Erfordernisse des Denkmalschutzes, besondere Situationen im Tiergarten oder andere unabweisbare Begründungen vorliegen).

Angesichts der sehr unbefriedigenden Erfahrungen mit der Haltbarkeit einheimischer Hölzer bei den ganzjährig der Witterung ausgesetzten städtischen Parkbänken hat nunmehr der für deren Aufstellung und Instandhaltung zuständige städtische Eigenbetrieb Service öffentlicher Raum/SÖR einen Vorschlag unterbreitet, für die Belattung zukünftig tropische Harthölzer aus zertifizierter Produktion zu verwenden. Damit kann der Einsatz von Anstrichmitteln reduziert und die Lebensdauer der Parkbänke verlängert werden. Für den Betrieb ergeben sich somit Kostenvorteile. Diese Aktion zielt auf Reparatur- und Ersatzbeschaffung ab sowie ggfs. auf neu aufzustellende Parkbänke, nicht aber auf den kurzfristigen Austausch aller Parkbänke. Es handelt sich also um einen Beschluss, der eine Ausnahme von dem ansonsten weiter geltenden Verbot des Einsatzes von Tropenholz definiert, aber keine Aufhebung dieses Verbots.

Bei Beschaffung der benötigten Hölzer werden ausschließlich solche Angebote berücksichtigt, die über die gesamte Produktionskette eine Zertifizierung durch den FSC (Forest Stewardship Council) nachweisen. Es geht darum, nur solches Holz zuzulassen, das nachvollziehbar aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammt.

Die für die Beschaffung zuständigen Stellen sind in dieser Hinsicht sensibilisiert und haben sich hinsichtlich der zu beachtenden Kriterien von erfahrenen Fachleuten beraten lassen.

Der Forest Stewardship Council (FSC) wurde 1993 in Folge des Umweltgipfels von Rio von Waldbesitzern, Vertretern der Holzindustrie, sozialen Bewegungen und Umweltgruppen als globale nicht staatliche und unabhängige Non-Profit Organisation gegründet. Ziel des FSC ist es, weltweit eine sozial und ökologisch verantwortliche sowie ökonomisch tragfähige Waldbewirtschaftung zu fördern. Der FSC stellt mit der Verleihung seines FSC-Labels durch unabhängige Zertifizierungsorganisationen sicher, dass bei der Waldbewirtschaftung hohe ökologische und soziale Standards eingehalten werden.

Nur wer bei der Holznutzung in dreierlei Hinsicht Gutes tut, erhält das FSC-Zertifikat:

1. Pro Umwelt:

  • Kein Kahlschlag
  • Keine Biozide
  • Erhaltung und Vergrößerung der Artenvielfalt

2. Pro Mensch:

  • Garantie umfassender Arbeitnehmerrechte
  • Regelmäßige Aus- und Weiterbildung
  • Anerkennung traditioneller Waldnutzungsrechte

3. Pro Wirtschaft:

  • Effiziente und schonendere Ressourcennutzung
  • Regelmäßige Erstellung von Wirtschaftsplänen
  • Steigerung der Produktivität
In Deutschland gehören gesellschaftliche Institutionen wie die IG Bauen – Agrar – Umwelt und die IG Metall, Wirtschaftsunternehmen wie die Hatzfeldt-Wildenburg'sche und die Rotenhan`sche Forstverwaltung, Handelsunternehmen wie OBI, aber auch Städte wie Freiburg oder Kehl am Main und schließlich Umweltschutzverbände wie WWF, BUND oder Greenpeace zu den Trägern des FSC.
Ein weiteres Mitglied hat im März 2009 die Organisation verlassen: Robin Wood ist aus FSC International ausgetreten (allerdings Mitglied im nationalen deutschen Verband geblieben). Dieser Rückzug von Robin Wood ging einher mit Vorwürfen gegen FSC, die Robin Wood vor allem an den Richtlinien für die Zulassung von Plantagen fest machte.
 
Gleichzeitig griffen aber auch andere Gruppen, die dem Schutz der tropischen Regenwälder verpflichtet sind, FSC an, da es immer wieder zu Unregelmäßigkeiten bei Vergabe von Zertifizierungen gekommen sei bzw. in der Produktionskette Umdeklarationen und andere Betrügereien passiert seien. Aus Sicht der Kritiker hat sich demzufolge das Zertifizierungssystem als nicht verlässlich erwiesen.
 
Auch wenn die geäußerte Kritik in verschiedenen konkreten Fällen sehr wohl berechtigt sein mag, wäre es doch fatal, das in seinen Grundzügen sehr gut gestaltete und inzwischen auch im globalen Maßstab immer stärker anerkannte und beachtete FSC Label fallen zu lassen. In den letzten 15 Jahren ist mit Unterstützung von FSC ein beträchtlicher Fortschritt in der Durchsetzung von Kriterien einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung auch in den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas erreicht worden. Dieses System gilt es zu stabilisieren und weiter auszubauen, so dass die zweifelsohne gegebenen Unzulänglichkeiten weiter abgebaut werden. Auf diesem Wege kann die Wertschöpfung in allen Waldregionen auf eine nachhaltige Basis und der Schutz der tropischen Regenwälder in eine realistische Perspektive gestellt werden.
 
Mit der Entscheidung für den Einsatz tropischer Harthölzer auf Nürnberger Parkbänken trägt die Stadt Nürnberg nicht zur Zerstörung der tropischen Regenwälder bei, sondern zur schrittweisen Etablierung einer nachhaltigen Forstwirtschaft.
Zusammenfassend:

a) Die Stadt Nürnberg steht für den Schutz des Regenwaldes und engagiert sich als Mitglied des Klimabündnisses aktiv dafür.

b) Die Stadt Nürnberg setzt sich dafür ein, dass an geeigneten tropischen und subtropischen Standorten in nachhaltiger Weise Waldwirtschaft erfolgt, so dass die Vermarktung der daraus gewonnenen hochwertigen Holzprodukte die Wirtschaftskraft der Erzeugerländer stärkt – der Einsatz von tropischen Harthölzern aus nachhaltiger Produktion ist entwicklungspolitisch sinnvoll und ökologisch vertretbar.

c) Die Stadt Nürnberg überprüft immer wieder neu ihre Entscheidung für den Einsatz von tropischen Harthölzern und fördert alle Bemühungen, dem FSC Zertifizierungssystem eine höchstmögliche Verlässlichkeit zu verleihen (wie immer gilt: ein Fehlerrisiko bleibt).


Soweit das Umweltamt der Stadt Nürnberg.
Es ist gut, dass diese Dinge öffentlich hinterfragt und diskutiert werden. Vielleicht helfen solche Diskussionen, uns alle wieder mehr hinein in die Demokratie zu holen, weg von der Beobachterrolle, hin zu einer teilnehmenden Rolle. Dann wäre viel gewonnen!

Mach den kleinen Unterschied!

Herzlich grüßt
die Bluepingu Redaktion
Frank Braun

 




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