Am Samstag ging die 21. Biofach zu Ende. Der Wandel die Biobranche setzt sich ungebrochen fort. Immer neue Produktgruppen werden für den Biogedanken entdeckt und auch die Partnerschaft von bio+fair, die sich ja auch im diesjährigen Motto der Biofach ausdrückte, ist keine Randerscheinung mehr sondern etabliert sich mehr und mehr als Standard, und das ist sicherlich gut so!
Was das Sortiment anbetrifft, hatten wir beim Bloggertreffen (Bericht hierzu noch separat) eine Diskussion, die denke ich auch die Gefühlslage in der Bio Szene gut reflektiert. Was einige von uns als Professionalisierung und Erwachsen werden der Bio-Branche sehen, das wird von anderen als Rückschritt und Verrat an der Sache gesehen. Gemeint sind z.B. die neue Generation der Bio-Fertigprodukte, wie z.B. Fertig-Tofu-Schnitzel, Salatdressing aus dem Beutel, Fertigsuppen, usw.. Meine Meinung dazu ist da eher pragmatisch. Natürlich ist selber kochen besser als diese Fertigprodukte, aber ich denke, wir können nicht ignorieren, dass es eine immer größer werdende Gruppe von Menschen gibt, die entweder aus Zeitgründen oder mangels Kochkunst auf Fertigprodukte zurückgreift. Und da scheint mir persönlich dann immer noch besser, diese Menschen konsumieren ein Bio-Produkt als herkömmliches Junkfood. Essen als Genuß und als Miteinander, schon beim kochen ist leider in der Breite im Augenblick nicht im Trend. Da viele Kinder zu Hause auch nicht mehr das kochen lernen, stellt sich hier die Frage, wie man die jungen Menschen für das Kochen und gesunde Küche begeistern will. Ich denke auch hier gilt mit Information, Bildungsangeboten und vor allem auch viel Spaß die nächste Generation für die Freude am Kochen zu begeistern. Da gibt es viel zu tun! Die Biobrotboxaktion zum Schuljahresanfang, die Aktivitäten der Bio-Metropolregion Nürnberg und vieler anderer Initiativen versuchen hier ja einiges zu bewegen.
Ich denke auch die NürnbergMesse kann hier einen Beitrag leisten, die in den Hallen erlebte Begeisterung und den Pioneergeist der Branche in der Zeit der Biofach auch in die Region hinauszutragen. Leider kommt nur wenig in der Bevölkerung an, von all der positiven Stimmung, da die Messe sich ja an das Fachpublikum richtet.
Um dies zu ändern haben Bioinnung, die Messe Nürnberg und andere, wie berichtet, ja schon dieses Jahr versucht, mit kleinen Maßnahmen, die Biofach mehr im Alltag der Menschen hier in der Region sichtbar werden zu lassen. Eine Beflaggung im Innenstadtbereich und ein Bio-Gastroführer, der den Messegästen zeigen sollte, wo in Nürnberg es auch leckere Bio-Küche für die Abendgestaltung zu finden ist, waren sicherlich ein guter Start. Für 2011 ist da aber sicherlich eine Steigerung möglich. Im meinem Gespräch mit der Messeleitung fand ich da auch offene Ohren, wenn es darum geht in 2011 auch in der Innenstadt begleitend zur Biofach einen Event zu planen. Wie sich das konkret gestalten könnte, werden wir gemeinsam mit den anderen Vertretern der Bioinnung und der MesseNürnberg diskutieren.
Ein echtes Highlight für mich war auch dieses Jahr wieder die zum 2. Mal auf der Biofach vertretene Textilarea. Gerade auch die Modenschau war ein echtes Highlight, und bewies auf dem Laufsteg, das Öko-Mode richtig schön sein kann! Ein Dankeschön an Glore Gründer Bernd Hausmann, der wieder ein tolles Händchen dafür hatte, dem Fachpublikum zu zeigen, dass es in dieser Branche mittlerweile echte "Öko-Alternativen" gibt. Ein Highlight für mich aus lokaler Sicht war dabei die Kollektion von Hempage aus Adelsdorf, die mit ihrem Auftritt zeigen, dass Hanf sich auf der Haut, statt unter der Haut, richtig gut anfühlen kann und dabei auch noch toll aussieht. Das fand übrigens auch Grünen Fraktionsvorsitzende Renate Künast, die sich im Rahmen ihres traditionellen Biofach Besuchs am Stand von Hempage von CEO Robert Hertel die neue Kollektion zeigen ließ.

Bernd Hausmann, Glore und Robert Hertel zeigen Renate Künast auf ihrem Rundgang die neue Kollektion von Hempage
Auch die farbenfrohen und pfiffigen Kinderlaufschuhe von Pololo, die bei Herzogenaurach gefertigt werden, zeigen, das die Textilbranche in Franken lebt. Wenige Wochen vorher war ja schon Monkee Clothing aus Nürnberg für ihre Bergsteigerkleidung auf der ISPO in der Kategorie eco/fairtrade ausgezeichnet worden.
Hier ein paar Impressionen von der Modenschau:

Hempage - Mode mit Pfiff aus Franken

Pololo Kinderlaufschuhe gefertigt in Niederndorf

Egal ob Schuhe oder schicke Damenmode, es war für jeden Geschmack etwas dabei!
Ein wirklich rund um gelungener Event. Aber nicht nur in der Textilarea haben fränkische Firmen gezeigt, dass die Biobranche in Nürnberg nicht nur ein Messehype im Februar ist. Mehr als 30 Firmen aus Franken waren als Aussteller auf der Biofach vertreten. Neumarkter Lammsbräu stellte sein neues Bio-Mineralwasser vor, Günter Kugler aus Altdorf war mit seiner Beratungsfirma dabei, nicht zuletzt auch um die Bioinnung dort ins Gespräch zu bringen und Lotos Naturkost kochte wieder mal toll auf, um die Gäste bei Laune zu halten!
Als Franke darf natürlich so ein Bericht nicht schließen, ohne auch ein wenig zu nörgeln ;-). Wie schon im letzten Jahr, stellte ich mir auch dieses Jahr wieder die Frage, warum es nicht alles Aussteller schaffen, ihre Proben in Gläsern oder Waffeln an die Gäste zu verteilen. Dass das geht haben viele Aussteller bewiesen, einige brauchen da wohl noch mal ein kleinen Stupser von der NürnbergMesse. Vielleicht kann diese ja im nächsten Jahr mit den Einladungen noch einmal explizit darauf hinweisen, dass der Umweltschutz nicht beim Produkt aufhört.
Alles in allen bin ich recht optimistisch von der Biofach zurückgekehrt. Die Stimmung war gut und die Branche insgesamt sehr optimistisch, was den Ausblick auf das Jahr 2010 betrifft. Es ist vieles in Bewegung und viele neue junge Unternehmen drängen in den Markt. Spannende Zeiten für eine Branche, die langsam Erwachsen wird, mit all den guten und weniger schönen Begleiterscheinungen.
Wir als Verbraucher können mit unserem Konsum dafür sorgen, dass dies erst der Anfang ist! Vielleicht ist dann in 2030 keine Biofach mehr nötig, da es nur noch Bio gibt!
Mach den kleinen Unterschied!
Herzlich grüßt
die Bluepingu Redaktion
Frank Braun












