Profitgier hat gesiegt – Gedanken zur Artenschutzkonferenz?

Vor ein paar Tagen war auf der 3. Seite der Nürnberger Nachrichten als Überschrift zum Ergebnis der Artenschutzkonferenz zu lesen: „Profitgier hat gesiegt – Artenschutzkonfrenz hilft nicht allen Tieren“. Ist das wirklich eine Überraschung? Nicht erst seit Kopenhagen wissen wir, dass wir Menschen ein sehr wechselwarmes Wesen sind, wenn es um Mitgefühl für andere geht, sei es die Tier- oder Pflanzenwelt oder aber unsere Mitbürger. Egal worum es geht, im Kleinen wie im Großen, es sind immer die gleichen Muster zu beobachten.
Solange eine Meinung keine Konsequenzen hat, sind sich erst einmal alle einig und werden nicht müde dies auch pressewirksam zu verkünden. Ob das Umweltschutz oder Tierschutz ist, in der Theorie ist die Weltgemeinschaft immer bemüht, aufzuzeigen, dass dieses wichtige Themen seien, denen es sich stärker zu widmen gilt. Da sind sich quer durch alle Parteien alle einig. Wenn es aber dann konkret wird, wie hier bei der Artenschutzkonferenz oder in Kopenhagen, dann ändert sich dieses Verhalten schnell. Jeder stimmt dann nach dem Motto ab: Artenschutz ja, aber nicht auf meine Kosten. So ist es aus meiner Sicht auch nicht verwunderlich, dass wir hier auf der Stelle treten und weiter zusehen müssen, wie unsere Meere hemmungslos überfischt, unsere Rohstoffe mit unverminderter Geschwindigkeit abgebaut und unser Energiekonzept weiter Geld in Kohle und Atomkraft pumpt. Die wirtschaftlichen Eigeninteressen scheinen über jeden gemeinschaftlichen Nutzen hinaus zu gehen, das kurzfristige Aufrechterhalten unserer Wachstumsmaschinerie ist immer wichtiger als eine mittelfristige Balance von Mensch und Natur für eine zukunftsfähige Entwicklung. Immer weiter hinein in die Zukunft machen wir Schulden und das nicht nur monetär.
Wunderbar lässt sich das auch in der Debatte um die Konsolidierung der Haushalte auf bundes- aber auch auf Kommunalebene beobachten. Auch da herrscht Einigkeit darüber, dass die Schuldenberge abgebaut werden müssen. Sobald es aber konkret wird, ist es damit vorbei. Da will die FDP im Bund weiter die vereinbarten Steuersenkungen durchsetzen (auf wessen Kosten soll das gehen?), die Ministerien verweigern sich den Ausgabenkürzungen vehement und fordern im Gegenteil mehr Geld, aber auch die Debatte auf kommunaler Ebene und im privaten folgt demselben Muster. Radwege bauen, ja, aber bitte nicht auf Kosten meines Parkplatzes, Bahnetz ausbauen ja, aber bitte nicht an meinem Haus vorbei. Die schizophrenen Debatten sind Teil unseres Wesens.
Am Ende wird dann dort gespart, wo die Gegenwehr vermeidlich am schwächsten ist, wie beispielsweise die Kürzung der Stelle beim Zentrum aktiver Bürger (ZAB) in Nürnberg zeigt. Genug kann man an solchen Stellen nicht sparen. So wird also dem Bürger immer wieder ein Märchen von der Konsolidierung der Haushalte in der Zukunft aufgetischt und wir sind froh, dass unsere Geldbeutel nicht noch weiter belastet werden und Schweigen in der Masse dazu. Der volle Magen ist ein Verbündeter derer, die sich gegen nötige Veränderungen stemmen, so auch bei uns. Und noch sind die meisten Mägen in der westlichen Hemisphäre gut gefüllt, da schaut man dann gerne mal weg, wenn ein paar weitere Fischarten sterben.
Wir blicken auf die längste Wachstumsphase der Weltgeschichte zurück. Eine Zeit ohne Kriege in Zentraleuropa, eine Zeit steigender Löhne, sozialer Standards etc. und wir haben vielerorts vergessen, was es heißt, sich einschränken zu müssen, was es heißt teilen zu müssen und wir haben uns daran gewöhnt, dass es immer nur noch besser werden soll. Mehr Geld, weniger Arbeit, Schulen die sich ganztägig um die Kinder kümmern, Strom und sauberes Wasser Tag und Nacht und so viel wir wollen, ein Gesundheitssystem und Sozialsystem, dass für alle da ist und ein Netz spannt, in das wir alle weich landen können, wenn mal was schief geht. Wir alle sind Teil dieses Systems, dass gierig immer nach mehr schreit.
In den letzten Jahren zeigen sich aber nun die ersten Risse. Seit Harz IV ist die Landung für viele Menschen hart geworden, die schuldlos in die Arbeitslosigkeit hinein geworfen wurden. Die Liste der Firmen ist lang, die in Nürnberg die Türen geschlossen haben: Quelle, TA, AEG, Grundig… . Auch die Änderungen im Gesundheitssystem gehen zu allererst zu Lasten derer, die ohnehin am wenigsten haben. Auch die Schrauben des Asylrechts wurden in den letzten Jahren deutlich angezogen, denn auch diese Gruppe hat kaum jemanden, der sich für sie und ihre Rechte einsetzt.
Das System stößt an seine Grenzen und am ersten spüren es wieder einmal die, die ohnehin schon nur marginal am Wohlstand unserer Gesellschaft teilhaben konnten, denn die haben kaum eine Lobby, die für sie kämpft. Seht ihr das Muster? Dies ist natürlich am besten in Wirtschaft und Politik sichtbar, aber genaugenommen ist es ein gesellschaftliches Problem, denn jede Gesellschaft baut sich vom kleinsten Steinchen zum großen Turm auf. Da muss ich gleich an Babel denken, wenn ich Turm lese, passt ganz gut in dieses Bild.
Was aber tun? Jammern und lamentieren hilft sicherlich nicht weiter. Ich denke, es ist erst einmal die Erkenntnis notwendig, dass es so nicht weitergehen kann. Wir müssen bei uns selbst anfangen! Schritt für Schritt, darauf zu achten, dass Wort und Tat nicht ständig auseinander driften, bereit zu sein, zu helfen, wenn wir sehen, dass um uns herum Menschen sind die Hilfe brauchen oder abzugeben, wenn wir selbst in Überfluss haben, sind gute tägliche Übungen, um wieder an einer tragfähigen Zukunft zu bauen. Das kann jeder von uns, egal wo wir stehen, egal ob arm oder reich.
Ich wünsche uns allen die Hoffnung, an die eigene Kraft zu glauben, die in jeden von uns steckt!
Ich wünsche uns allen den Mut, damit anzufangen!
Ich wünsche uns allen das wir bereit sind, als Gemeinschaft an einer Zukunft zu bauen, die auch unsere Kinder trägt, jeder dort, wo ihn das Leben hingestellt hat.
Winston Churchill hat einmal gesagt: "Ich, für meinen Teil, bin ein Optimist - Mir scheint es wenig sinnvoll, etwas anderes als ein solcher zu sein!" . In diesem Sinn wünsche ich uns einen guten Start in den Frühling – auf das die Blüten aufbrechen, in uns und um uns herum!
Mach den kleinen Unterschied!
Herzlich grüßt
Frank Braun