Am Freitag war es wieder soweit: In den Räumen der Christengemeinschaft, die uns dankenswerterweise ihren Saal zur Verfügung stellten, luden wir wieder einmal zu einem Abend ein, um Fragen rund um das Thema eines zukunftsfähigen Lebensmodells zu diskutieren. Dieses Mal ging es um den Aspekt der sozialen Gerechtigkeit.

Wieder war das Format Film und Diskussion. Zum Abschluss haben wir wieder DVDs des Films verschenkt.

Wir hatten als Gäste Gerhard Faul, den Regisseur des Films „Arm und Reich“ und Albert Ziegler, den Vorstand der Nürnberger Tafel eingeladen, um im Anschluss an den Film gemeinsam mit dem Publikum auf Spurensuche zu gehen.

Der Film von Gerhard Faul gibt in gut 90 Minuten auf beeindruckende Weise Einblicke in die zunehmende Spaltung unserer Gesellschaft. Da sehen wir Bilder vom Prunk des Nürnberger Opernballs, die fließend übergehen in Interviews mit Arbeitslosen und Asylanten, die angesichts ihres Schicksals resignieren, wir hören von Rentnern, die nach über 40 Jahren Arbeit nicht in der Lage sind, für ihre Arzneimittel aufzukommen und auf Almosen angewiesen sind. Wir sehen Klaus Ackermann, Vorstand der Deutschen Bank, Spitzenverdiener in Deutschland, wie er von den Rekordgewinnen der Deutschen Bank (noch vor der Krise) berichtet und gleichzeitig Arbeitsplatz Abbau ankündigt, hören dann den Betriebsrat der Deutschen Bank, der von den Mindestlöhnen berichtet, die an Mitarbeiter der Bank gezahlt werden. Verzweiflung, Resignation und das Gefühl, nicht mehr dazu zu gehören, zu dieser Gesellschaft, kann man spüren, wenn man diesen Film sieht. Das Interview mit einem Vertreter des BDI wirkt inmitten dieser Eindrücke dann schon fast sartirenhaft.

Das Publikum ist dann auch beim Einstieg in die Diskussion spürbar bewegt, so dass sich eine sehr lebhafte Diskussion entwickelt. Gerhard Faul berichtet, dass es ihm nicht gelang, für den Film Unternehmer vor die Kamera zu bringen. Albert Ziegler erzählt vom Alltag der Nürnberger Tafel, die mittlerweile mehr als 6000 Essen täglich in Nürnberg ausgibt. Eine Vertreterin der Linken im Publikum sprach sich für eine Erhöhung des Mindestlohnes aus, was zu einer hitzigen Debatte über die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme führte. Die Masse im Publikum an diesem Abend schien er ein bedingungsloses Grundeinkommen als ein wesentlich sinnvolleres Instrument zu favorisieren, um mehr soziale Gerechtigkeit zu schaffen. Immer wieder schwang in den Beiträgen aus dem Publikum auch dieses Gefühl der Ohnmacht mit, und die Frage, wie wir denn als Einzelne wirklich etwas ändern könnten. Wir hätten wahrscheinlich noch bis in die Morgenstunden weiter diskutieren können, aber gegen 23Uhr haben wir die Veranstaltung dann mit dem verschenken der DVD's zum Film abgeschlossen. Dabei soll der Film aber nicht im eigenen Filmregal landen, sondern immer wieder weitergegeben werden, damit möglichst viele Menschen den Film sehen. Dieses, von Filme für die Erde entwickelte Konzept, soll helfen, dass möglichst viele Menschen solche Film, mit starken Botschaften, sehen.

Es wurde an diesem Abend auch viel über Werte gesprochen, aus meiner Sicht eine der Schlüsselfragen für Veränderung. Solange wir von einer „Geiz ist geil“ und „jeder für sich selbst“ Mentalität unser Leben bestimmen lassen, wird es schwer, wirklich nachhaltig etwas zu verändern. Eine solidarische und soziale Gesellschaft wird auch automatisch eine Gesellschaft sein, die verantwortungsvoll mit der Umwelt umgeht.

Wir alle haben täglich die Möglichkeit, positive Zeichen zu setzen, durch unser Handeln und wenn es nur ein Lächeln und Mitgefühl ist, das wir schenken können, wenn uns Verzweiflung und Trauer begegnen.

Ich habe das Gefühl, immer mehr Menschen sind in Bewegung und suchen nach neuen Wegen, hin zu einem zukunftsfähigen Lebensmodell. Je mehr Austausch von Ideen, gegenseitige Ermutigung und Vernetzung hier stattfindet, desto schneller wird sich dieser Wandel vollziehen können.

Mir fällt da ein Spruch von Mahatma Gandhi ein, mit dem ich schließen möchte: 
"Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt"

Mach den kleinen Unterschied!
Herzlich grüßt
Frank Braun

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