Seit Samstag ist die Bayerische Klimawoche in vollem Gange und es gibt eine Vielzahl von Veranstaltungen in der Region. Ich war am Dienstag Abend in Unterkrumbach, zum Thema "Regionale Wirtschaftskreisläufe und der CO2 Fußabdruck". Eingeladen hatten der Initiativkreis Holz aus der Frankenalb, die Regionalbewegung Mittelfranken und die Möbelmacher.

Im Publikum saßen Vertreter der Veranstalter, Holzspezialisten, Vertreter von Greenpeace, Attac, Original Regional und der Regionalbewegung Mittelfranken. Insgesamt waren rund 30 Teilnehmer gekommen, vorwiegend Menschen, die sich schon lange mit dem Thema befassen. So war es dann auch eher eine Expertendiskussion, denn eine Informationsveranstaltung für Interessierte. Das lag aber sicherlich auch am Thema, dass durchaus anspruchsvolles erwarten ließ. Und diese Erwartungen wurden dann auch erfüllt.
"Von der Herd-Erwärmung zur Erd-Erwämung" so leitete Gastgeber Herwig Danzer (seines Zeichens Umweltbotschafter für den Freistaat und Mitveranstalter) den ersten Vortrag ein, denn zur Stärkung für dieses schwierige Thema  gab es vorab frisch gebackenem Flammkuchen und Frankensecco.  Gemeinsam mit  Michael Müller, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Nürnberger Land  präsentierte Herwig Danzer zum Thema "Wald-Holz-Klima". Mit einer Prise Humor gewürzt, wurden die Vorteile des Werkstoffes Holz und des Waldes für den CO2 Haushalt der Erde erläutert.
 
Im Anschluss gab Professor Wild von der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg einen Überblick über den Zusammenhang regionaler Wirtschaftskreisläufe und des CO² Fußabdrucks unterschiedlichster Produkte. Dabei lernte ich auch, dass der Begriff Nachhaltigkeit, so Professor Wild, auf eine Wiederaufforstungsinitiative des Reichswaldes im Mittelalter zurück gehe. Sein Diplomand Daniel Steinsdörfer hatte sich im Rahmen einer Diplom-Arbeit mit der Frage einer standardisierten Berechnung des CO² Fußabdrucks oder Carbon Footprint, wie es neu-bayerisch" so schön heißt, am Beispiel des Teeherstellers Martin Bauer,beschäftigt.  Noch herrscht in diesem Feld ein wahrer Wildwuchs an Meßverfahren. Je nach Interesse wird der Betrachtungshorizont, gerade bei den von der Wirtschaft erstellten Berechnungen, verändert um die eigenen Interessen hier möglichst in ein positives Licht zu stellen. Herr Steinsdörfer hat zu Beginn versucht, am Beispiel Tee, einmal wirklich den gesamten Entstehungs, Vermarktungs und Entsorgungsprozess des Tees mit in die Berechnung einfließen zu lassen. Da wird das ganze dann aber auch beliebig kompliziert, denn wie z.B. läßt sich messen, wie viel Energie der Konsument beim Einkauf des Tees verbraucht und wie er den Tee letztlich kocht?
 
Über diese und andere Fragen entstand dann eine lebhafte Diskussion. Wie komplex darf so ein Verfahren sein? Welchen Zweck hat es? Dient es dazu, den Verbraucher für den eigenen CO² Konsum zu sensibilisieren oder geht es darum Produkte und deren CO² Verbrauch zu vergleichen. Im zweiteren Fall könnte man dann auch den Bereich, der beim Konsumenten liegt weglassen, denn der unterscheidet sich ja nicht an der Frage, wo und wie der Tee produziert wurde. Auch die Frage, inwieweit ein weiteres Siegel zu diesem Thema den Verbrauchern wirklich hilft, wurde kontrovers diskutiert, angesichts der wachsenden Flut an Siegeln und Informationsquellen.
 
Einig waren sich dann alle darin, dass ein solches Siegel einfach, messbar, standardisiert und transparent sein müßte, um wirklich eine Verbraucherhilfe darzustellen. Davon sind wir noch ein weites Stück Weg entfernt. Bis dahin sind viele Angaben der Hersteller eher als Werbeaussagen, denn als verlässliche Ratgeber zu sehen, so das Fazit von Daniel Steinsdörfer.
 
Zum Abschluss stellte Professor Wild die regionale Holzwirtschaft der globalen Vermarktung von Tropenhölzern entgegen und leitete zur Frage über, welche Inhalte sein Lehrstuhl Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Umweltmanagement für das kommende Semester als Forschungsziele rund um regionale Wirtschaftskreisläufe definieren sollte.

Am Ende tauschten sich die Teilnehmer noch über Ideen für gemeinsame Aktionen und eine verbesserte Zusammenarbeit aus. Ich habe dabei wieder einige Menschen und Organisation getroffen, mit denen wir in der Zukunft sicherlich an der einen oder anderen Stelle zusammen arbeiten werden.
 
Mach den kleinen Unterschied!

Herzlich grüßt
die Bluepingu Redaktion
Frank Braun

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