Rembrand commons

Der Begriff "Commons" klingt beim ersten Hören etwas befremdlich. Daher nähern wir uns den Commons am besten über drei Beispiele: Stadtgarten Nürnberg, Rijksmuseum Amsterdam und Foodsharing.

So wird die ein oder andere beim Lesen dieses Textes bestimmt feststellen, dass sie schon mit einem Commons in Berührung gekommen ist. Commons werden gemeinsam von Menschen in den verschiedensten Kontexten gemacht. Dabei geht es darum aus einer Ressource etwas zu schaffen, von dem alle Beteiligten dauerhaft profitieren können. Commons bieten also gemeinsam gelebte Nachhaltigkeit und sind daher für die Transformation zu einer anderen Welt so wichtig. Für Commons gibt es im übrigen keinen deutschen Begriff mehr, da diese uns abhanden gekommen sind, bzw. nicht exakt passen.

Stadtgarten GraphikDer Stadtgarten Nürnberg - wie auch viele andere Urban-Gardening-Projekte - ist so ein Commons. Aus 2000 m² asphaltierter Fläche, Hochbeeten, Erde, Wasser und Pflanzen wird durch das Zusammenwirken von mittlerweile ca. 50 Stadtgärtnern jedes Jahr wieder eine grüne Oase geschaffen. Davon profitieren die Akteure, indem sie frisches Obst und Gemüse bekommen, Wissen über das Gärtner austauschen und sich in einer selbstbestimmten Gemeinschaft wohlfühlen. Darüber hinaus bekommt der Stadtteil Eberhardshof mehr Farbe, samenfestes Saatgut - auch ein Commons! - wird gepflegt, Stadtkinder erfahren das Gärtnern aus nächster Nähe und Menschen lernen vegan zu kochen. Das ganze bietet mehr als die Summe seiner Teile.  

Das Titelbild dieses Beitrags wurde von Rembrandt 1628 gemalt und 1977 vom Rijksmuseum in Amsterdam gekauft und von diesem mittlerweile digital unter Public Domain für jedermann zum herunterladen, ändern und sogar zum kommerzialisieren zur Verfügung gestellt. Das gilt für alle Werke dieses Museums und viele andere Museen weltweit handhaben das ebenso. Somit kann aus sämtlichen Kunstwerken des Museums durch remixen - genau wie in der Musik Teile verschiedener Stücke neu zusammengestellt werden - etwas neues entstehen. Marlene hat beispielsweise eine Collection mit Tulpen aus verschiedensten Bildern des Museums zusammengestellt, die jedermann zum Bedrucken einer Tasse oder seines Autos weiterbenutzen kann. Gerade digitale Schöpfungen - die ja fast zum Nulltarif kopiert werden können - landen so nicht in einer Sackgasse, sondern entwickeln sich kreativ weiter.

Bei Foodsharing werden Lebensmittel, die ansonsten weggeschmissen würden, geteilt. Dabei wird von einer Gemeinschaft das Einsammeln defoodsharing logor Lebensmittel in Geschäften und das Verteilen über Fairteiler organisiert. Auch jeder, der Zuhause etwas übrig hat, kann es über die Platform teilen. So kommen Menschen zu einer kostenlosen Mahlzeit, viele Ehrenamtliche können vollständig davon satt werden und die Aktion hat dazu geführt, dass das Containern nicht mehr in einer Grauzone stattfinden muss und viele Länder sogar das Wegschmeißen von Lebensmitteln in Supermärkten mittlerweile verbieten.

Commons ermöglichen es, dass Ressourcen vernünftig und eigenverantwortlich genutzt werden. Meistens geht der Nutzen über die ursprünglich beabsichtigte Idee hinaus. Schaut Euch nach Commons in Eurer Umgebung um und gestaltet Sie mit oder ruft neue Commons ins Leben. Vielen ist gar nicht bewußt, dass sie schon Teil eines Commons sind! Sonst bleibt der Parkplatz nur eine Asphaltwüste, das Meisterwerk verstaubt im Keller eines Museums und die Kalorien Eurer Lebensmittel werden in der Müllverbrennungsanlage in fragwürdige Energie verwandelt.

Wer tiefer in das Themengebiet einsteigen möchte, dem seien die beiden Bücher von Silke Helfrich empfohlen. Commons - für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat  und Commons - Muster gemeinsamen Handelns stehen kostenlos unter Creative-Commons-Lizenz (Copyleft) mit vielen weiteren Beispielen weltweiter Commons zur umfangreichen Lektüre bereit.

Wir werden an dieser Stelle demnächst weitere Commons vorstellen.

Macht den kleinen Unterschied.

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