Global Service Jam

Vom 11. bis 13. März 2011 hatte ich das besondere Vergnügen bei einer Weltpremiere eines völlig neuen Veranstaltungsformates dabei zu sein: der ersten Global Service Jam.

Wie Frank bereits im Vorfeld berichtete, hatten weltweit lokale Teams 48 Stunden Zeit, zu einem streng geheim gehaltenen Thema einen Prototypen eines neuen Dienstleistungsservices zu gestalten.

Da die Idee zu dieser Service Jam von den beiden Nürnbergern Adam Lawrence und Markus Edgar Hormeß kam, war in der Zentrifuge auf AEG sowohl das Hauptquartier, als auch eine lokale Jam.

Das Orga-Team hatte sich sehr viel Mühe gegeben, alle wichtigen Utensilien für eine erfolgreiche Service Jam zur Verfügung zu stellen. Unter anderem Post-it Blocks in Hülle und Fülle, das wichtigste Instrument beim Service Design. Dank dem Sponsor Open Source Business Foundation war auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt.

Nach einer kurzen Erfrischung fand ein überaus lustiges Aufwärm- und Kennenlernspiel statt. Danach wurde den Teilnehmern = Jammern das Opening Video  gezeigt und damit auch das Thema verraten, zu dem ein neuer Service-Prototyp entwickelt werden sollte. Nicht ohne Grund wurde von den Initiatoren "(super) heroes" als Begriff gewählt.

Anschließend wurde dann in der großen Runde ein Brainstorming zu dieser Thematik abgehalten. Jeder konnte seine Gedanken auf einen Zettel schreiben und an eine Wand hängen. Wir stellten uns dabei folgende Fragen:
- Welche Superhelden gibt es?
- Was assoziieren wir mit diesen?
- Welche Eigenschaften haben sie?
- Was verbinden wir sonst noch damit?
- Welche Helden gibt es für uns persönlich?

Im Laufe dieses Prozesses wurden dann sogenannte Cluster gebildet, bei denen Worte mit ähnlichen / verwandten Eigenschaften gruppiert werden. Dieser Vorgang ging bis spät in die Nacht und führte zu so manch lustiger, aber dennoch ernsthaften Diskussion.

Nach einer kurzen Nachtruhe ging es dann am Samstagmorgen, nach einem gemeinsamen Frühstück, weiter mit einer Konkretisierung des Themas. Dabei überlegten wir uns gemeinsam, in welchen Situationen wir uns einen Superhelden wünschen. Anhand dieser Vorstellungen wurden dann wieder Cluster gebildet. Anschließend hatte jeder einzelne die Gelegenheit, für sich eine konkrete Idee / Problemstellung zu entwickeln. Diese wurden dann in der großen Runde präsentiert und am Ende standen sechs Ideen zur Diskussion.

Nachdem die Wahl schwer fiel, da alle sechs Ideen interessant waren, wurde in der Gruppe beschlossen, zwei Teams zu bilden, um die beiden Ideen mit den meisten Fürsprechern weiter zu verfolgen. Nach einer kurzen Pause, die zum Frisbee spielen in der Sonne genutzt wurde, ging es dann los.

Die eine Gruppe arbeitete an dem Thema Natur zurück in die Stadt zu bringen, die andere setzte sich mit den unvollständigen sowie verwirrenden Verbraucherinformationen auf Lebensmitteln / Produkten auseinander.

In einer sehr konzentrierten und kollaborativen Atmosphäre wurden dann mittels für Serivce Design geeigneten Instrumenten und Verfahren die Ideen weiter ausgearbeitet. Anhand konkreter "Kundenprofile" wurden die Dienstleistungskonzepte entwickelt. Diese wurden dann in sogenannten Customer-Journey-Maps dargestellt und damit dann Storyboards für die Prototypen geschrieben.

Am späten Samstagabend waren sie fertig und alle froh, eine Mütze voll Schlaf zu nehmen. Nach einer sehr kurzen Nacht trafen wir uns alle Sonntagfrüh zum gemeinsamen Frühstück in der Zentrifuge wieder. Mit Hochdruck wurde dann an den Prototypen gearbeitet. Für Service Design typisch wurden kurze Videos erstellt.

Da sich kurz vor der Service Jam die Naturkatastrophe in Japan ereignete, die alle Jammer auf der Welt sehr bewegt, wurde um 15:30 MEZ eine Gedenkminute abgehalten. Es war überwältigend zu sehen wie die Menschen trotz Ihrer kreativen Beschäftigung Mitgefühl zeigten. Über eine Twitter-Wall (Darstellung von Kurznachrichten) tauschten sich die einzelnen Jams untereinander aus. Neben dem Austausch über unterhaltsame Dinge vor Ort wurde viel über die Katastrophe und die persönliche Anteilnahme geschrieben.

Um 15 Uhr (Ortszeit) mussten dann alle Teams Ihre Prototypen auf die Projekt-Webseite hochladen. Zum Abschluss wurden diese dann in der lokalen Runde gegenseitig vorgeführt. Bei einem Abschlussdrink hatten wir dann noch Zeit, dieses tolle Erlebnis ausklingen zu lassen. Die Prototypen wurden dabei unter einer Creative Common Lizenz veröffentlicht. Hier die Ergebnisse (Videos) der Nürnberger Jam: Experience Adventuren Hero und SeeMore - Be a Hero!

Fazit:
Durch das Thema (Super)heroes haben die Veranstalter die Jammer bewusst auf eine soziale bzw. nachhaltige Schiene gelenkt. So gut wie alle 203 Servicedienstleistungen haben mit der Stärkung der lokalen Gemeinschaft, Hilfsbereitschaft, sozialem Engagement oder Umwelt zu tun. Dieses Ergebnis ist mehr als erfreulich und sorgt bei allen für neue Motivation, sich weiterhin zu engagieren!

Ich kann jedem nur empfehlen bei einer Wiederholung der Veranstaltung im Jahr 2012 mitzumachen! Denn diese offene, warmherzige, kreative und lustige Atmosphäre unter teils unbekannten Menschen ist einfach unheimlich inspirierend und in hohem Maße erfüllend!

Wie es aussieht muss man aber gar nicht so lange warten, bei der nächsten Jam dabei zu sein, denn Adam und Markus haben während des Wochenendes schon wieder eine neue Idee entwickelt: Global Sustainability Jam 2011.
Diese wird voraussichtlich im Oktober stattfinden. Wer Interesse hat, kann sich schon jetzt auf der Webseite für den Newsletter anmelden, um informiert zu bleiben: http://www.globalsustainabilityjam.org

An dieser Stelle noch einmal ein großes und herzliches Dankeschön an Adam und Markus, Ihr seid Helden!

In jedem von uns steckt ein Superheld, also traut Euch und lebt ihn aus!

Herzlich,
Andreas Fehr

Infos zu Service Design und den "Tools":
www.weltretterjam.de

Entstandene Service-Prototypen / Ideen von allen 59 lokalen Jams unter: Planet.GSJ11
Impressionen (weltweit) und Videos von Prototypen auf: Flickr / YouTube / Vimeo mit Sucheingabe GSJ11

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