Weggeworfene Zigarettenschachtel

Der folgende Artikel im Reutlinger Wochenblatt hat uns sehr gut gefallen. Ein Dank an Birgit Redlingshöfer, die den Artikel für uns entdeckt hat und sich die Genehmigung vom Reutlinger Wochenblatt geholt hat, diesen hier zu veröffentlichen.

"Bonbonpapierchen, Kaugummiverpackungen, Alu-Grillschalen, Tempotaschentücher und Zigarettenschachteln. Gummihandschuhe, Plastik- und Glasflaschen. Nebenbei ein Strumpf und zwei Slips sowie ein altes Taschenradio, eingestellt auf einen Schlagersender. Das und noch mehr waren die Fundstücke meiner Ostereiersuche, die ich auf den Wiesen und Wegen fand, an denen entlangt mich neulich ein Spaziergang führte.

Wäre ich Pippi Langstrumpf, dann hätte ich diesen ganzen Hinterlassenschaften etwas Gutes, gar Abenteuerliches und auf jeden Fall irgendwie Spannendes abgewinnen können. Denn nach ihrem berühmten Spiel „Sachen suchen“ sind die Dinge nicht nur das, was sie scheinen, sondern viel mehr. Das alte Radio zum Beispiel – vielleicht ist darin eine verschlüsselte elektronische Nachricht versteckt? Und die Zigarettenschachtel ist nicht nur eine Zigarettenschachtel, sondern diente einst ihrem Besitzer als zweiter Briefkasten, der immerzu mit Liebesbriefen gefüllt war? Eine hübsche Idee, dieses Spiel. Eigentlich. Aber ich bin schon viel zu lange Sebastian, um noch so kindlich-romantisch durch die Welt zu gehen und das Schlechte ins Gute zu verkehren. Und darum sag ich's, wie es ist: Es ist eine Sauerei, was da herumliegt. Mensch Leute, könnt Ihr Euer Zeug nicht mit nach Hause nehmen?! Oder wenigstens bis zum nächsten Mülleimer tragen? Wisst Ihr denn gar nicht, wie lange eine Plastikflasche braucht, um zu verrotten? Nie in den Bergen gewesen und dort auf den Hütten des Alpenvereins diese Liste gelesen? Auf der steht Folgendes – für alle diejenigen, die eine Auffrischung brauchen oder es angeblich nicht wussten oder mit der Ausrede daherkommen, dass es weit und breit keinen Mülleimer gab und dass das, was sie weggeworfen haben, doch „nur ein Papierchen“ gewesen sei:

Verrottungsdauer
Tempo: drei Monate
Zeitung: ein bis fünf Jahre
Kaugummi: fünf Jahre
Blechdose: zehn bis 100 Jahre
Plastikfolie: 30 bis 40 Jahre
Feuerzeug: 100 Jahre
Plastikflasche: 100 bis 1 000 Jahre
Glas: 4 000 Jahre

So, da staunen Sie, was? Und – muss ich da noch den moralischen Zeigefinger erheben? „Nein, natürlich nicht, Sie haben ja vollkommen Recht, Herr Sebastian,“ höre ich die einen mir schon beipflichten. Sie haben natürlich noch nie ihren Müll achtlos in die Pampa geworfen. Das sind schließlich immer die anderen. Meistens angeblich die jungen Leute. Ach von wegen! Ich habe sie schon fast alle beobachtet – Alte wie Junge schenken sich oft nichts. Aber diese Diskussion um den Schuldigen bringt sowieso nicht weiter, weil sie ja doch nur darin endet, dass der eine mit dem Zeigefinger auf den anderen zeigt und sagt: „Der war's!“. Ich will Ihnen stattdessen kurz von meinem Großvater erzählen, der daheim in seinem Dorf ausgelacht wurde, in Japan aber hoch angesehen gewesen wäre. Er trug nämlich auf seinen Spaziergängen immer einen großen Beutel mit sich herum, in den er den herumliegenden Müll aus dem ganzen Dorf einsammelte. Ähnlich machen es die Japaner. Nur, erst gar nicht wegwerfen, sondern ihn gleich in eine dafür vorgesehene Tasche packen und ihn mit nach Hause nehmen, um ihn dort zu entsorgen. Öffentliche Mülleimer gibt es in Japan nämlich nicht. Aber trotzdem ist es dort unglaublich sauber auf den Straßen, auch in den Städten wie Tokio. Als wäre mein Großvater dort gewesen ..."

Quelle: Reutlinger Wochenblatt, 21. April 2011

Ich denke, da können wir uns alle gut hineinfühlen.

Wir von bluepingu danken allen Leuten, die sich für "Kehrt wärd"-Aktionen engagiert haben oder einfach im Kleinen Müll auflesen.
Und als Anregung an Alle: beim nächsten Spazierengehen oder der nächsten Wanderung eine extra Tüte für aufzulesenden Müll einstecken. Herzlichen Dank schon vorab!

Mach den kleinen Unterschied!

Herzlich grüßt Euch
die Bluepingu Redaktion

Frank Braun

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